Weihnachtskalender 2021-5

 

Mit dem Abschluss dieser Reise glaubte ich, eine Meisterleistung vollbracht und es deshalb verdient zu haben, in einen ruhigen Herbst und Winter einzutauchen. Denn es war nun seit eineinhalb Jahren, von den täglichen und auch weniger alltäglichen Anforderungen her betrachtet, sowieso schon wie ein andauernder Marathon. Doch weit gefehlt. Weder wurden die Zeiten ruhiger, noch war irgendwann ein Ende abzusehen.

Dennoch versuchte ich einen kleinen Plan für den Winter zu machen… wegen des Schreibens am nächsten Buch. Damals war dieser Band der Trilogie das nächste Ziel. Aber es wollte sich keine Möglichkeit zeigen für einen ruhigen Platz. Die Zeit war bereits weit in den Herbst hinein fortgeschritten, während ich sonst meist bis Ende des Sommers eine Entscheidung getroffen hatte… Auf unbeschreibliche Weise hing da etwas über allem. Ich konnte es aber weder benennen noch mir klarmachen. Erst später sollte ich mich wieder an die Tatsache erinnern, dass in solchen Zusammenhängen nicht ich die Pläne mache, sondern dass die Pläne immer zu mir kommen.

Und da war dann plötzlich dieser „Botschafter“ in Wien, der mir eines Tages in einem Nebensatz hinwarf, wie es weitergehen sollte. Meistens habe ich selber Träume, die mir den Weg weisen oder ich bekomme auf andere Weise einen Hinweis… Doch an diesem Punkt tauchte er einfach auf, sagte etwas und zog sich wieder in den Hintergrund zurück – vermutlich, weil ich selber einem solchen Traum oder einem solchen Hinweis keinen Glauben geschenkt hätte.

Zuvor hatte ich am Telefon zu ihm gesagt, dass ich mir wegen des Winters hinsichtlich des Buchschreibens keinesfalls mehr sicher bin und dass es mich langsam unruhig macht, weil ich das Ziel noch nicht kenne. Es war beinahe Mitte Oktober. Dann wurde es still am anderen Ende der Verbindung. Und plötzlich war da dieses „Ich weiss es!“. Ich hielt den Atem an, weil ich spürte, dass da gerade etwas auf mich zurollt, worauf ich völlig unvorbereitet bin. Aber es gibt in solchen Fällen sowieso kein Abschweifen. Solche Dinge kommen immer sehr geradlinig heran und sie sind glasklar.

Nach einer Weile sprach er wieder: „Ich wollte es dir nicht sagen… aber du wirst nach Australien gehen, nach Tasmanien vielleicht oder auch nach Neuseeland“. Es war wie ein Paukenschlag. Wenn ich auch glaubte, dass eine Steigerung des Bisherigen kaum mehr möglich sei, dann hatte ich mich darin auf jeden Fall grundlegend geirrt. Und es ging hier um jenen Kontinent, der mir bisher zu weit weg erschienen war und auch die Flüge dorthin wären viel zu lang. Ich spürte dazu auch keine Resonanz. In der kurzen Zeit, die ich hatte, um wieder ein wenig Boden unter den Füssen zu gewinnen, begannen sich die Dinge bereits mit einer enormen Wucht in jene Richtung zu wenden, für die es meinerseits noch gar keine Einwilligung gab.

Wenig später sass ich im Zug, um mit dem „Botschafter“ – so nannte ich ihn schon seit einer Weile – zusammen zu treffen. Und kurz nachdem ich dort ankam, gab es bereits eine weitere Information zu dieser Reise. Er hätte einen Traum gehabt, meinte er, und ich könnte beruhigt sein wegen des Fliegens. „Was?“ entfuhr es mir. „Sollte ich also zu Fuss gehen?“. „Nein, keineswegs“, meinte er weiter, „aber mit dem Schiff fahren – mit einem Frachtschiff“. Er habe die Fahrkahrte gesehen, mit allen Details… Wieder war ich sprachlos. Ungläubig starrte ich ihn an. Das war unmöglich und ganz bestimmt nicht für mich gemeint. Damit glaubte ich, den Plan verwerfen zu können.

Aber irgend etwas in mir begann zu drängen und mich in eine bestimmte Richtung zu schieben. Und ich erinnerte mich an den Sommer und wie schnell sich etwas umsetzen lässt, wenn es notwendig ist… Als ich dann im Internet nach Frachterreisen zu suchen begann, war ich sehr erstaunt zu erfahren, dass es dafür fast einen eigenen Tourismuszweig gab. Ich stellte Anfragen. Schnell kamen Antworten mit Absagen, wordurch ich mich bestätigt fühlte, dass das Ganze doch ein ziemlich unsinniges Unterfangen sei. Andererseits tat ich jedoch bereits so, als würde ich demnächst tatsächlich abreisen. Es war auch, als wäre ich in dieser Zeit eine doppelte Persönlichkeit gewesen. Die eine fuhr mit den alltäglichen Dingen und sonstigen Anforderungen völlig selbstverständlich fort, während die andere auf Hochtouren eine Reise vorbereitete, die es eigentlich gar nicht geben konnte.

Das Leben ging weiter und die Dinge nahmen ihren Lauf. Mein Auftrag dabei lautete auch ausdrücklich: So tun, als ob nichts wäre und dennoch „dem Plan“ folgen. Welchem Plan? fragte ich mich immer wieder in diesen Tagen. Doch bei jedem Schritt in seine Richtung spürte ich, welche immense Führung dahinter stand und wie alle Dinge sich in einer bestimmten Reihenfolge präsentierten und lösten. Seine Konturen aber wurden erst langsam sichtbar.

Die beiden Tage mit dem „Botschafter“ waren der Auftakt zu Vorbereitungen, die ihresgleichen suchten. Bald schon zeigten sich weitere Details, und das Ganze erschien mir zunehmend rätselhafter. In wenigen Wochen schon sollte ich diese Reise antreten und sie sollte über Calais gehen sowie von dort aus weiter nach Dover. Die Schiffsreise würde in einem englischen Hafen beginnen und es seien dreiunddreissig Tage am Schiff. Ich dachte gar nicht erst dran, in dieser Hinsicht etwas zu planen, denn es erschien mir alles viel zu utopisch und so, als hätte es überhaupt nichts mit mir zu tun. Diese Geschichte stand auf der einen Seite und ich ganz woanders.

Einen Tag nach meiner Rückkehr aus Wien kamen wieder Antworten von Frachtschiff-Unternehmen beziehungsweise von deren Logistik-Firmen. Es waren Angebote mit unsäglichen Preisen und Absagen. Nebenbei hatte ich eine Anfrage an eine Schweizer Firma gestellt, auf der Suche nach einer Frachtschiffreise Richtung Australien, ab November und wenn möglich über den Suezkanal. Denn auch das schien ein wichtiger Teil dieser Reise zu sein. Da keine Antwort kam, habe es ich es einfach abgehakt. Doch langsam wurde es eng…

In der Woche danach kam schliesslich eine Antwort aus der Schweiz. „Vielen Dank für Ihre Anfrage zu Frachtschiffreisen.
Leider sind Sie für eine Frachtschiffreise von Europa nach Australien im November 2013 zu spät dran, da die wenigen Plätze schon seit langem ausgebucht sind“. Damit bestätigte sich schliesslich, was ich mir von Anfang an gedacht habe: Auf die Botschaft anderer zu hören kann irreführend sein. Und das hier ist eine Illusion.

Das Thema flammte in den nächsten Tagen zwar noch einmal auf, denn es wurde mir zunächst eine Reise nach Fiji angeboten. Der Planet Merkur war jedoch in der Zwischenzeit rückläufig geworden und so begannen sich die Dinge zu drehen und zu vernebeln. Ich beantwortete zwar die Email, doch es kam dann nichts mehr zurück. Noch einmal schrieb ich. Aber da war keine Antwort. Damit hatte ich jegliche Absicht aufgegeben und auch ein Wegfahren für den Winter. Ich lehnte mich zurück, atmete tief durch und liess alles einfach los.

Es war dann dieser 22.Oktober, als ich plötzlich eine ganze Liste von Angeboten aus der Schweiz bekam, mit Fahrten über den Suez-Kanal. Und beim schnellen Durchlesen war es, als ob sich ein Schlüssel im Schloss gedreht hätte und die Tür nun weit aufgesprungen wäre… Ein Angebot in dieser Liste schien zu blinken:

Reise 0205: CMA CGM Cassiopeia

Hamburg/Deutschland (ca. 16.11.13) – Bremerhaven/Deutschland – Rotterdam/Holland – Zeebrügge/Belgien – Southampton/England – Beirut/Libanon – Transit/Suezkanal – Jeddah/Saudi Arabien – Port Kelang/Malaysia (ca. 29.12.13) – Singapore. Französisches Containerschiff mit französischer Schiffsführung. Reisedauer Hamburg – Port Kelang ca. 43 Tage. Formalitäten: Reisepass, Gelbfieberimpfung, Arztzeugnis, Krankenversicherung.

Wie vom Donner gerührt sass ich da und versuchte, klare Gedanken zu fassen. Doch es war unmöglich. In diesem Zustand, der mich wie ein Schock lahmlegte, reagierte ich einfach nur und schrieb eine Antwort, ohne eine weitere Überlegung. Erst nach und nach wurde mir bewusst, was das bedeutet und welche Konsequenzen es hatte. Ich seufzte… denn selbst, wenn der Preis dafür mehr als ein Drittel unter jenem für die Reise über Amerika lag, so war es doch eine stolze Summe, die ich zuerst organisieren und dann wohl über längere Zeit zurückzahlen würde. Aber ich merkte, wiesehr die innere Reise doch schon fortgeschritten war und ich wusste daher, dass das nun meine äussere Reise werden würde.

Plötzlich zeigten sich aber die Hürden, die mir die Schweissperlen auf die Stirn trieben, wie Arztzeugnis, Impfung… und sie erschienen mir beinahe unüberwindbar in der kurzen Zeit, die ich noch hatte, nämlich ein paar wenige Tage, bis der Vertrag abgeschlossen sein müsste, damit sich zeitlich alles noch ausgeht. Es gab jedoch ein paar glückliche Fügungen und schneller, als ich glaubte, fand alles eine gute Lösung.

Noch vor Ende Oktober war alles unter Dach und Fach und das, obwohl man keine Verträge abschliessen sollte, wenn Merkur rückwärts läuft, denn sie halten dann normalerweise nicht. Aber diese Warnung warf ich diesmal über Bord… schliesslich war die Reise auf einer bestimmten Ebene längst schon im Gange. Das hier waren nur mehr die letzten, logistischen Schritte dazu.

Wenige Tage später war ich zum Fest einer australischen Freundin eingeladen, für die ein schwieriger Abschnitt zu Ende gegangen war. Mit wunderbarem indischen Essen verwöhnt und nach tiefen Gesprächen machte ich mich erst nach Mitternacht auf den Heimweg – wissend, dass wir uns vermutlich in Melbourne treffen werden, weil sie „zufällig“ nach sechs Jahren wieder einmal dort sein wird.

Als ich etwa eine Stunde später zu Hause ankam, streifte mein Blick über den Sternenhimmel Richtung Süden, wo das Ziel meiner Reise liegen wird… und ich sah dort einen breiten hellen Schweif in den Horizont hineingleiten. Ein Komet, der mir die Richtung weist, dachte ich, und ich war für eine Weile wieder fassungslos. Danach zog noch eine lange Sternschnuppe nach Süden hinunter.

Unterwegs hatte ich dreimal einen Marder gesehen… das sind Tiere, die ich normalerweise nie sehe. Bei Mardern geht es um Energieverlust und vielleicht liegt da ein Schlüssel zu dem, was auf meiner Reise zu tun sein wird, dachte ich mir. Es betrifft nämlich sowohl die Menschheit als auch den Planeten. Beide waren sie auf bestimmte Weise immer wieder ihrer Kraft beraubt worden. Als ich später darüber nachlas, zeigte sich, dass es auch um die Kunst der Tarnung, der Verteidigung und der klugen Handlung geht. „Er ermöglicht dir erfolgreiches Gelingen bei schwierigen Unternehmen“, heisst es abschliessend. [1] Und ich wusste: Eine solche Kraft würde mir in nächster Zeit bestimmt von grossem Nutzen sein.

Die gesamte Vorbereitung war dann innerhalb eines Monats und zwischen zwei Finsternissen [2] gelaufen und zwar genau zwischen dem 11.10.2013 und dem 11.11.2013. Unendlich viel war in diesen wenigen Wochen geschehen. Das Bisherige war nun vorbei. Und was vor mir lag, war noch unsichtbar. Am Tag danach ging es bereits um das Abschliessen und Abschiednehmen. Danach zwar es Zeit, hineinzugehen in denjenigen Durchgang, der notwendig ist, wenn es um eine Reise von einer solchen Dimension geht. Das war der 13.11.13. [3] Längst schon war mir auch klar geworden, dass alles bei diesem Unterfangen innerhalb einer ganz bestimmten Mathematik, aber auch mit einer ganz grossen Synchronizität verlief.

[1] Jeanne Ruland: Krafttiere begleiten dein Leben / [2] Mondfinsternis am 18.10.2013 und Sonnenfinsternis am 3.11.2013 / [3] vgl. Schlusskapitel: 13, Feuer…

Würde eine solche Reise auf der rein menschlichen und organisatorischen Ebene geplant werden, dann wären für die Vorbereitungen alleine schon mindestens drei Monate, wenn nicht gar ein halbes Jahr, notwendig. Abgesehen davon aber ist für mich in diesem Zeitraum alles einfach nebenher verlaufen. Denn es waren wieder einmal Wochen, in denen die Menschheit vor anstrengenden Anpassungen und Entscheidungen stand. Und da bin ich dann stets mit meiner Arbeit gefordert, die Dinge ausgleichen zu helfen und dabei die Veränderungen in den Menschen sanft voran zu treiben.

Die Reise nach England begann auf dem Landweg… Das war Teil des Planes. Der Bus von Wien nach London war ausgebucht, doch der Platz neben mir blieb bis Brüssel leer und ich genoss meinen Freiraum. Mit dieser Fahrt vollendete sich mein Überqueren des gesamten eurasischen Kontinentes, das vor genau zweieinhalb Jahren mit der Fahrt von Wien nach Moskau und von dort mit der transsibirischen Eisenbahn bis ganz hinüber nach Wladiwostock begonnen hat. Es war das Land, das ich erst am Ende dieses Zeitzykluses betreten habe. Meine Heimat war bis dahin anderswo.

Während der Bus auf der deutschen Autobahn Richtung Aachen leise über den Kontinent fuhr, war es Nacht geworden. In diesen Stunden der Traumzeit zeigte sich plötzlich eine Kraft, die sich auch in den vorbereitenden Tagen immer wieder gezeigt hatte. Sie war über lange Zeit die Hüterkraft dieses Kontinents und hatte sich dann aufgrund der Verfolgungen durch die neu aufkeimende Religion ganz nach Westen zurückgezogen, bis sie auch dort fast zum Erliegen kam.

Es war vor ungefähr eineinhalb-tausend Jahren, als jene „neue“ Macht dann auch die Inseln Britanniens erreichte. Eigentlich war sie auch vorher schon in Form des römischen Imperiums da. Jetzt aber kam sie im Kleide einer neuen Religion und sie gebarte sich schonungslos. Unter wütendem Schnauben unterwarf sie sich alles, was ihr in die Hände geriet. Eine hohe Kultur, unter der viele Völker Europas vereint waren, wurde damit dem Erdboden gleich gemacht. Seither war hier wie im gesamten Europa kein Stein mehr auf dem anderen geblieben.

In Brüssel angekommen änderte sich die Stimmung im Bus rapide. Viele stiegen aus. Jene aber, die einstiegen, schienen den Geist zu spiegeln, der die Stadt prägt, welche sich als Zentrale dieser künstlichen Union präsentiert und die man Europa im vergangenen Jahrhundert übergestülpt hat. Wie ein Wasserkopf liegt sie im Norden dieses Kontinents, der immer schon alle Völker auf natürliche Weise verbunden hat. Erst vor ein paar Jahrzehnten hatte sich dort dann jene Herrschaft eingenistet, welche man bereits in keltischen Zeiten zu spüren bekommen hat. Und sie versucht nun, ihren endgültigen Sieg über die Erde zu erringen, indem sie das starke Europa zerstört.

Düster wirkte alles, als wir am französischen Grenzort Calais ankamen, um von dort aus nach Dover überzusetzen. Lange standen wir vor dem grossen Tunnel, der unter hohem technischen Aufwand unter das Meer verlegt worden war. Die Abfertigungen waren unangenehm und sie erinnerten an Ostblock-Zeiten. Doch eigentlich ist diese Art mit Menschen umzugehen überall Realität geworden, seit man mit dem inszenierten 911-Terror von New York eine neue Stufe des Krieges gegen die Menschheit losgetreten hat.

Der Übergang erschien hier wie verschlossen. Dort aber, wo sich die weissen Felsen von Dover aus dem Meer heraushoben, war nun eine uralte Macht präsent. Von einem anderen Kontinent kommend, ist mir hier alles viel weniger geläufig, als in meiner alten Heimat. Doch waren wir, eine Gruppe von Hüterwesen, mit diesem Volk einst in engem Austausch im Hinblick auf den Abschluss des grossen Zeitraumes von 26.000 Jahren und vor allem auch wegen der Störung des ursprünglichen Planes… welche schliesslich dann in die Zerstörung unserer Kulturen geführt hatte.

Wie jedes wahre Kulturvolk, waren auch diese keltischen Völker geführt von einem bestimmten „Geist“, der aus einer höheren Ebene die Geschicke mit-lenkt… und zwar dann, wenn ein Volk entsprechend den Gesetzen des Universums und des Lebens lebt. Es ist das, was in vielen Überlieferungen der Geist „Merlins“ genannt wird – das Vermächtnis jenes Druiden, der die keltischen Völker im sogenannten Sonnengürtel quer durch Europa vereinte und ihnen half, den Schatz ihres Wissens und Könnens so aufzubewahren, dass er selbst ihren Niedergang überdauern und für einen späteren Zeitabschnitt wieder zur Verfügung stehen würde. Die Zeit ist gekommen, dass wir das Erbe dieser und anderer grosser Völker wieder antreten und dass wir ihren Geist auf eine neue Höhe führen.

Copyright: Magda Wimmer – Das Feuer hüten

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