Weihnachtskalender 2021-10

4. Stillstand

 

Das Schiff war abgefahren und Richtung China unterwegs… während ich in eine eigenartige Leere eintauchte. Plötzlich schienen die Dinge bewegungslos und die Zeit stand still in diesen letzten Tagen des Jahres. Vieles war zwar vertraut und dann doch wieder sehr befremdlich. Ständig aber begleitete mich eine Ahnung wie aus längst vergangenen und vergessenen Zeiten, doch alles blieb vernebelt und durch eine oberflächliche Verwirrung in jeder Hinsicht abgelenkt.

Die Bewohner der Stadt zeigten sich durchwegs als gutmütige und auch zugängliche Menschen. Sie wirkten jedoch auf eine bestimmte Weise wenig zusammengehörig oder gar getrennt. Es war ein buntes ethnisches und religiöses Gemisch, das aus vielen Gruppen bestand, die unverbunden nebeneinander existierten, ohne sich wirklich zu berühren. Unverkennbar war die muslimische Dominanz, was für Besucher meiner Art durchaus auch offene Feindseligkeit mit sich bringen konnte.

Das heutige Indonesion ist eine uralte Heimat der Menschheit und es bildet, gemeinsam mit Polynesien, Melanesien und Mikronesen [1] ein riesiges Inselreich, welches sich um den Kontinent Australien herum-legt und in dem mehrere hundert Millionen Menschen leben. Wie kleine Spitzen einer einst grossen Landmasse ragen die Inseln und Inselchen heraus aus den indisch-pazifischen Ozeanen. Und die tropischen sowie subtropischen Gegebenheiten machen diese Inselwelt für unzählige Menschen zu einem (wenn auch vorübergehenden Urlaubs-) Traum von etwas, das für sie normalerweise fern und unerreichbar bleibt.

[1] griechisch: nesoi = Inseln

Malaysia ist ein Teil von Indonesien. Heute aber ist es politisch davon abgetrennt. Wie viele andere Länder dieser „Kategorie“ wird es als „Schwellenland“ gehandhabt – nämlich als ein Land, das man den westlichen „Standards“ angepasst hat, um es sich als Markt zu eröffnen. Doch der Preis für den plötzlichen relativen Wohlstand ist hoch und bezahlen müssen ihn die Millionen von Menschen in diesem Land.

Ein solches Land ist immer eine billige Produktionsstätte, die man sich zudem als Hinterhof für ganz andere Machenschaften hält… Die Menschen besitzen dort nun auch alle möglichen Dinge, die zum westlichen Standard gehören, doch die Qualität dieser Produkte hat Ramsch-Status. Und der Boden, auf dem dieser scheinbare Wohlstand gedeiht, besteht aus Müll im wahrsten Sinne des Wortes. Deshalb, und auch aufgrund ihrer religiösen Indoktrination sind die Menschen hier unendlich lenkbar.

So sitzt zum Beispiel jene Firma, die das Kernkraftwerk in Fukushima betreibt, in diesen Ländern fest im Sattel und macht mit den Menschen betrügerische „Auto-Deals“ und anderes mehr, während sie gleichzeitig und bewusst das Kernkraftwerk ein paartausend Kilometer weiter aus dem Ruder laufen lässt. Doch das war schon vor dem „Erdbeben“ so. Mittlerweile sind die Auswirkungen der Invasion durch die sogenannten “westlichen Mächte” überall sicht- und spürbar und das Land hat dem wirtschaftlichen Abschwung, der von genau diesen Mächten gezielt herbeigeführt wird, kaum etwas entgegen zu setzen.

Die Tatsache, dass Malaysia ein Königreich ist, würde vermuten lassen, dass es ein königliches Gesicht zeigt, also Schönheit und Anmut. Das Land hat freilich, wie alles auf diesem Planeten, seine natürliche Schönheit. Und Touristen, die nur an bestimmte Orte und Ressorts gebracht werden, haben sicherlich auch diesen Eindruck. Ansonsten aber ist es „very british“ und ziemlich herab-gekommen. Zusammengefasst kann man es als einen Platz bezeichnen, von dem man sich einfach nimmt, was man braucht – wie es eben das britische Kolonialreich seit langer Zeit macht. Die Stadt ist gespickt mit Wolkenkratzern, die den grossen Banken gehören und der Industrie, allen voran der Erdöl-Industrie, die sich mit ihren Petronas-Zwillingstürmen selbst ein Wahrzeichen gesetzt hat. Diese giganto-manischen Gebäude dominieren die Zwei-Millionen-Stadt und sie gehören zu den höchsten weltweit.

Selten jedoch habe ich an einem Platz und vor allem in einer Hauptstadt soviel Schmutz und Gestank vorgefunden, wie hier. Der Klang-Fluss ist eine einzige Kloake und sie breitet ihren „Duft“ über die Innenstadt aus. Da ein „Winter“ am Äquator Monsunzeit bedeutet, legte sich auch eine heisse Schwüle über das Land und es regnete viel. Täglich gab es Gewitter, Stürme und Wolkenbrüche. Dadurch gingen regelmässig die Kanäle über, die eigentlich nichts anderes sind, als offene oder mit Betonplatten abgedeckte Rinnen. Man kann sich vorstellen, was dabei in die Strassen und Gassen gespült wird. Tote Ratten sind nur ein winziger Teil davon… Ausflüge planen war aufgrund der vielen Gewitter und schweren Regenfälle dann auch nicht wirklich möglich.

Vielleicht gehört es zur Mentalität dieser Menschen, die Dinge einfach zu nehmen oder zu belassen, wie sie sind. Vielleicht aber haben sie gar keine andere Wahl in einem Land, das ihnen schon lange nicht mehr gehört. Und vielleicht hat sich über ihre einstige Kraft etwas gelegt, das fremd ist und das sie deshalb unerreichbar macht. Denn wenn man die täglichen Eindrücke zusammen legt, dann ergibt sich das Bild von einer Welt, die sich bereits weit entfernt hat von einem zivilisierten und selbst-bewussten Dasein. Es zeigt sich, dass Malaysia ein Land ist…

  • in dem der Streit zur Staatsaffäre wird, ob Christen das Wort Allah während der Messe verwenden dürfen
  • in dem ein Sechsjährier seine fünfjährige Cousine vergewaltigt und vorgibt, Mama und Papa mit ihr zu spielen… und ein Land, in dem Zehn- und Elfjährige am laufenden Band dasselbe tun
  • in dem in den Restaurants auf riesigen TV-Schirmen ständig Gewaltszenen von muslimischen Männern gegen (muslimische, hindische, …) Frauen gezeigt werden…
  • in dem Formel1-Sieger als Stars hingestellt werdeb… und die Youngsters in ihren Autos in die Pedale treten, dass sich die schwarzen Abgase lange Zeit schwer über die Gassen und Menschen legen.

Da weiss man dann, wie weit bereits Menschlichkeit und Würde untergraben worden sind im Namen einer (Wirtschafts-) Macht, die alles dominiert und sich das Recht herausnimmt, die Menschen zu versklaven, ohne dass sie es merken. Und wir sind genauso ein Teil dieses Spiels. Momentan sind wir noch die Nutzniesser der Billigwaren, die hier produziert werden… doch wir sind genauso versklavt wie diese Menschen, und auch wir merken es nicht. Man ist „hipp“ hier, wenn man stundenlang in „sozialen Netzwerken“ herumsurft und dabei jedes Gefühl für das Leben verliert. Auch hier wird den Leuten klar und deutlich gezeigt, was zählt: Erfolg, Geld, Geschäfte machen, Reichtum. Auch hier sind die Religionen die Instrumente, die den Menschen diesen ganzen Wahn überstülpen, ohne dass sie es merken.

Dann kommt noch die Tatsache dazu, dass man die Religionen ganz offen gegeneinander ausspielt. Es zeigt sich dabei auch sehr klar, wie sehr sie alle von einer Hand gesteuert sind. Natürlich ohne, dass die Menschen es merken! Das betrifft zunächst gar nicht die Religionen an sich, sondern es ist die Art und Weise, wie sie benutzt werden. Sie alle wurden für die Welt des Verstandes entworfen, weil nur über sie die Menschen von aussen beeinflussbar und steuerbar sind. Menschen, die kopfgesteuert sind, haben ihre Souveränität und Selbstbestimmung verloren. Sie können sich zwar vieles erklären, aber nichts mehr wirklich erkennen. Und sie sind von sich selber getrennt, weil sie den Bezug zu ihrem Wesenskern verloren haben. Davon aber lebt diese sogenannte „Macht“, die im geheimen Hintergrund der Menschen- und Lebenswelt alles steuert und sie hat sich den Grossteil der Völker und Menschen bereits unterworfen.

Mit den Religionen hat sie einst begonnen, die Menschen massenhaft wegzulocken von ihrem angeborenen Wissen, dass sie als Teil des Göttlichen hier auf Erden Mit-Schöpfer mit allen anderen Wesen sind. Dieses Ur-Wissen ist in jedem Menschen gespeichert… und auch die Erde hat ein solches Erinnerungsfeld eingeprägt. Die Religionen haben dieses Wissen durch Glauben ersetzt. Und heute hat man die religiösen Religionen durch Wissenschafts- und Medienreligionen ersetzt. All das macht müde und erschöpft und es verstrickt die Menschen am laufenden Band in Probleme und nur noch mehr Probleme. Wie bei uns, so sind auch in diesem Land die Augen der Menschen abgestumpft… und ihre Seele ebenso. Die unendlich vielen Kakerlaken zeigten auf, dass es hier vor allem einmal um das Überleben geht und dass es da wohl in den Tiefen einiges zu bereinigen gibt. Diese Tiere leben vom und im Abfall.

Die Strassen waren voll mit Billigwaren und „billigen“ Fastfood- und Restaurant-Ketten – billig vor allem, was die Qualität betrifft. Meist glich ein „Lokal“ dem anderen und manche waren mehr, andere weniger schmutzig. Die weit offenen Türen der Küchen führten zumeist in jene Hintergassen hinaus, in die man lieber keinen Fuss hineinsetzt. Ich habe in eher besseren chinesischen Restaurants Chinesen angetroffen, die zum Frühstück weissen Billigtoast mit Nutella gegessen haben und Cola dazu tranken. Man war erstaunt und mitunter auch entsetzt, als ich sie gefragt habe, ob es da auch Reis und ein warmes Essen gäbe. So etwas isst man hier nicht, war die Antwort, falls man überhaupt Englisch sprechen konnte.

Ansonsten wollten viele dort vor allem eines: Den Reichtum, den auch andere haben. Während die meisten wie ferngesteuert mit Tablets und Handys unterwegs waren, machten viele keinen Hehl daraus, dass sie weg wollen und zwar in ein reiches Land. Das betraf vor allem die grossen Gruppen von Menschen aus Nepal und Bangladesch. Und am liebsten hätten sie, dass man sie gleich mitnimmt. Werbung und Medien machen es den Menschen schmackhaft. In den Restaurants laufen grosse Fernseher und riesige Werbeflächen zeigen, was wichtig ist im Leben: Business und Erfolg. Kopfschüttelnd und entgeistert schaute man mich deshalb an, wenn ich sagte, dass ich keine Firma habe. Das sei unmöglich, wenn man aus einem solchen Land wie… Australia… kommt. Österreich existierte für sie nicht und auch Germany war ihnen kein wirklicher Begriff.

Das Internet war vollständig überwacht, was ich daran merkte, dass manche Webseiten immer wieder blockiert wurden, unter anderem meine eigene. Und oft wurde ich dazu gezwungen, den Computer vollständig auszuschalten, weil nichts mehr ging. Unglaublich stark strahlten auch die Funkmasten, was dann noch zusätzlich jegliche wirkliche Lebendigkeit blockierte. Die Bedingungen für meine Arbeiten hier waren wenig einladend. Doch es war einfach, was es war.

Dann war da diese abartige Tourismus-Industrie, die mich mitten ins Herz traf – vor allem in der Hauptstadt Kuala Lumpur, weiter östlich im Landesinneren. Wie die Pappkulissen eines Potemkin’sche Dorfes war alles für die Touristen aufbereitet… verlockend und anlockend, damit sie kommen und zahlen. Und man zahlt für diese Kulissen tatsächlich einen hohen Preis. Doch das, was sich dahinter zeigte, war das Alt-Bekannte: Die Sklavenmenschen-Masse, welche den Herrenmenschen zu dienen hat. Ihre Armut und ihr Elend bilden das verzerrte Gesicht, welches sich hinter der „schönen“ Maske für Touristen zeigt… wobei selbst sie nicht wirklich schön erscheint, sondern eigentlich mittelmässig, kalt und herzlos.

Genau das aber war, neben den ständigen Gewitterfronten, der Grund dafür, warum ich keine Touren durch das Land machte. Ein paarmal hatte ich zwar nach Angeboten gesucht, um vielleicht doch in das Innere des Landes hinein fahren zu können. Doch wollte ich dann für viel Geld keine Teeplantagen sehen, die mit hochkarätigen Pflanzengiften besprüht werden und an denen die Menschen, die dort arbeiten, zugrunde gehen. Ich wollte auch keine Dschungelwanderung machen in einem dafür eigens angelegten Resort und keine Golfplätze und Luxushotels bestaunen… während ich spürte, wie das Land den Menschen weggenommen wurde, genauso wie ihre Identität und Würde.

Von Anfang an war da vielmehr das Gefühl, dass ich hier eine ganz andere Aufgabe hatte, selbst wenn diese inmitten des eigenartigen Stillstandes oft mehr als herausfordernd war. Und so wurden diese elf Tage zu einer intensiven Einkehr in eine Welt unterhalb der sichtbaren Welt. Zugänge zu finden erwies sich als schwierig und es war oft, als müsste ich einen Kanaldeckel öffnen und durch die dann sichtbar werdende Kloake schwimmen… um dort ankommen zu können, wo ich hin musste.

Äusserlich war es eine sehr geschäftige Zeit für die Menschen. Die Chinesen bereiteten sich auf ihr Neujahrsfest Ende Jänner vor, die Hindu auf ihr Bußfest, das ebenfalls Ende Jänner stattfand und bei dem sich viele durch tiefgehende „Piercings“ Schmerz zufügen, um die Dämonen zu besänftigen. Man unterwirft sich dabei harten Regeln… Und der Muezzin rief sich sowieso mehrmals täglich in Erinnerung. Das war vor allem in den frühen Morgenstunden sehr einschneidend, wenn man wegen der dröhnenden Klimaanlage dann doch endlich eingeschlafen war.

Neben der Besichtigung der Hauptstadt machte ich kurz nach Neujahr noch eine Fahrt zu den berühmten Batu-Höhlen [2], die etwa fünfzehn Kilometer nördlich von Kuala Lumpur liegen. Es handelt sich dabei um eine Buss-Stätte der Hindu, die in einer riesigen Naturhöhle angelegt ist. Gott Murugan, der einst der Gott der Liebenden war und dann zum Kriegsgott geworden ist, aber auch der Affengott Hanuman, dominieren den Vorplatz, bevor es dann in die Höhle hineingeht.

[2] Malaiisch: batu = Stein, Steinhöhlen; Kalksteinhöhlen

Der einzige Zug des Landes, der die Menschen dorthin bringt, ist high-tech und dessen Klimaanlage so kalt, dass man fast erfriert. Dennoch versuchte ich mich einzustimmen. Regen prasselte an das Fenster und nur ein paar verschwommene Konturen der Landschaft waren sichtbar. Ich blickte noch einmal zurück in die Arbeiten der vergangenen Tage, die wie eine Vorbereitung zu sein schienen auf das, was jetzt vor mir lag. Zahlreiche „Kanaldeckel“ waren da zu öffnen, ähnlich wie das Aufmachen der Türchen bei einem Adventkalender. Jede Öffnung hinterliess Bilder und Eindrücke von Auseinandersetzungen zwischen einer Welt, die mir bekannt erschien… und einer, die mir völlig fremd war. Letztere drohte der anderen die Luft zum Atmen zu nehmen. Und die Finsternis nahm mit jeder Szene zu. Gestank breitete sich schliesslich aus, ähnlich wie beim Klang-Fluss in der Hauptstadt und er liess das Dasein zur Qual werden. Begleitet war diese Arbeit von einer Art Neugierde und von der Hoffnung, dass die hier sichtbar gewordene Dunkelheit bald enden möge.

An der Endstation angekommen, waren die schieren Massen von Menschen ein gewaltiger erster Eindruck. Wie ein fliessender Strom schob sich alles in Richtung Vorplatz zum Treppenaufgang der Höhlen. Das verlangsamte das Ankommen und machte es zu einem Ritual des Übergangs. Wer in die “heiligen Hallen” gelangen wollte, musste anhalten und mitunter für eine ganze Weile stillstehen. Doch schon am grossen Platz vor den Höhlen verwandelte sich alles in eine schwirrende Lebendigkeit mit Marktcharakter. Und die Menschen sahen angesichts der beiden riesigen Götterstatuen Murugan und Hanuman gerade winzig aus.

“Sie kamen als Riesen vom Himmel auf die Erde…”, ging es mir durch den Kopf, “und noch heute überwachen sie den Eingang zu ihrer Götterwelt”. Ich nahm mich aus dem Strom der Menschen heraus und blieb stehen und ich sah, wie sie einst hier hereinkamen. Ob die Höhlen dann wirklich ihr Zuhause waren, sei dahingestellt. Jedenfalls waren sie schon viel länger von der hiesigen Urbevölkerung genutzt worden, als sie der touristischen und westlichen Welt bekannt gemacht worden sind. Erst gegen Ende des neunzehnten Jahrhunderts hat ein Amerikaner sie entdeckt und berühmt gemacht hat – zu einer Zeit, als der indonesiche und polynesische Bereich längst schon der britisch-amerikanischen Weltherrschaft unterworfen war. Es war ein blutjunger Zoologe und Bisonschützer, der immer wieder auch politisch viele polarisiert hat und nach dem heute ein Berg im Yellowstone National Park benannt ist: Mount Hornaday.

Heute stehen in der grössten dieser Höhlen, die als Tempel- oder Kathedralenhöhle bezeichnet wird, zahlreiche Hindu-Altäre. Götterriesen im Affengewand und als goldene Vierzig-Meter-Statue lassen die Menschen zu ihnen aufschauen und sich klein fühlen. Die Mythen davon sind gefüllt mit Intrigen und mit einem andauernden Kampf gegen Dämonen und böse Mächte – wie eben in allen anderen Religionen auch. Am hinduistischen Thaipusam-Fest geiselt und massakriert man den eigenen Körper zu Ehren der Götter und als Buße, wofür auch immer. Seit atlantischen Zeiten schon ist es wichtig, die Menschen so weit wie möglich von den Göttern fern zu halten, während die Urvölker, von denen auch hier im Hintergrund noch etwas zu spüren ist, versucht haben, von den göttlichen Kräften, die ihnen innewohnen, zu lernen und sie selber zu entfalten.

Die einen kehren heutzutage als Eroberer oder Forscher überall hin zurück, um nach den Spuren ihrer einstigen Herrschaft zu suchen und die Völker erneut zu unterwerfen. Die anderen aber tauchen immer weiter in den Untergrund ab, um nicht völlig vernichtet zu werden. Atlantis war damals Opfer eines speziellen Grössenwahns geworden und man hatte andere Völker und Welten mit hineingerissen. Heute stehen wir wieder in einer ganz ähnlichen Situation. Und es sind dieselben Götter wie damals, nur die Gesichter haben sich verändert.

Die letzten Tage in Malaysia waren intensiv und oft so, als ob die Zeit stehen geblieben wäre. Freilich war auch die Arbeit, die ich zu machen hatte, vollkommenes Neuland… und es war, als würde ich ständig in eine grosse Leere oder in ein Nichts hineingreifen, in der es weder Wegweiser noch Anhaltspunkte gab. Das brauchte viel Geduld und ein grosses Durchhaltevermögen.

Generell ging es darum, die alten “Kanaldeckel” zu öffnen, damit künftig ein Blick hinein möglich sein wird und mehr noch: auch eine Bereinigung. Das traf allerdings zunächst auf einen gewaltigen Widerstand, der künstlich und reflexartig war – wie er immer dann auftaucht, wenn Dinge aufgesetzt, verdreht und manipuliert worden sind. Manchesmal wurde dabei aber ein Hauch spürbar, ein Luftzug… ausgehend von jener Welt, die sich einst weit hinein zurückgezogen hatte, als die Götter ihr nach und nach die Luft zum Atmen nahmen.

In diesen letzten Tagen entdeckte ich auch, dass Anlagen, wie das kleine Hotel, in dem ich wohnte und ein Restaurant in der Nähe, die durch Sauberkeit hervorstechen und sich deshalb von allem anderen abheben, ebenfalls durch eine Grossmacht betrieben werden, nämlich von Scientology. Das war ernüchternd, aber es hat zugleich das bestätigt, was ich in meinen Arbeiten ohnehin schon gesehen habe.

Malaysien wirkt auf eine bestimmte Weise westlich und es ist auch offiziell so ausgerichtet. Die meisten der dort lebenden Menschen sind jedoch ganz anders sozialisiert und ausgerichtet. Sie sind also in das enge und starre Gitter der Fremdherrschaft hineingepresst worden und funktionieren jetzt, wie es von ihnen verlangt wird… während ihre eigene Herkunft und ihre Wurzeln verloren scheinen. Eine grosse Lethargie liegt deshalb über allem. Das stellt für die Beherrscher sicher, dass sich keiner gegen sie erheben wird. Die Menschen sind beschäftigt mit dem oberflächlichen Begehren einer westlichen Konsumwelt und über die Religionen und Medien gibt man ihrem täglichen Leben “Sinn” und Inhalt fix vor. Ganz im Hintergrund und mehr noch im Untergrund schwingt jedoch etwas mit, das eine völlig andere Welt erahnen lässt und den Völkern dort eine unsichtbare und unbewusste Ausrichtung verleiht.

Malaysia war ein Drehpunkt auf meiner Reise. An einem solchen Punkt müssen die Dinge stillstehen, damit sie sich wenden können… in welche Richtung dann auch immer. Kräfte sammeln war zudem notwendig, denn es kam nun eine weitere grosse und überaus fordernde Aufgabe auf mich zu. Hier war ich in den Vorhöfen der Macht angekommen. Nun aber ging es, was diese Macht betrifft, down-under.

Copyright: Magda Wimmer – Das Feuer hüten

 

 

 

 

error: Content is protected !!