Weihnachtskalender 2021-11

 

Am achten Jänner setzte ich meine Reise fort: von Kuala Lumpur nach Melbourne in Australien. Es war ein etwa achtstündiger Flug, der insgesamt recht anstrengend war – nicht wegen der vielen Malaysier und Asiaten im Flugzeug, sondern wegen der Australier, die immer wieder unangenehm auffielen und die Stewardessen ständig auf Trab hielten. Zum ersten Mal in meinem Leben überquerte ich nun den Äquator und es war während dieser Zeit ein absolut taubes Gefühl, das meinen ganzen Körper erfasste und auch den Verstand auf eine ganz eigene Weise abschaltete.

In Melbourne traf ich dann jene Freundin aus Österreich, die von dort stammt und mit der ich kurz vor der Abreise ein Zusammentreffen vereinbart hatte. Durch sie konnte ich diese drei Tage ein wenig entspannen. Eine Verwandte hatte ihr ein Haus zur Verfügung gestellt, das ausserhalb der Stadt lag. Und so war es, nach den eigenartigen Formalitäten am Flughafen, ein recht freundliches Willkommen am Kontinent von „Down Under“.

Da sie als Künstlerin eine Ausstellung vorzubereiten hatte, konnte ich mit ihr ein wenig durch die Gegend ausserhalb der Stadt fahren und auf diese Weise das Land, seine Menschen, Tiere und vor allem den unvergesslichen Geruch der Eukalyptuswälder, gleich ein wenig tiefgehender kennenlernen. Wir schwammen im Yarra-Fluss, was bei den bestehenden Temperaturen von weit über dreissig Grad sehr angenehm war. Am gesamten Kontinent wurden für diese Woche Temperaturen von über vierzig Grad erwartet. Es war jedoch eine trockene und deshalb angenehme Hitze.

Dennoch waren diese drei Tage für uns auch herausfordernd, weil wir beide weiterreisen würden… Ich musste nun endgültig die Richtung meiner Reise bestimmen. In Melbourne bleiben, war ausgeschlossen, denn zum einen sind Städte für mich nichts von grossem Interesse und für meine Arbeiten wenig produktiv. Andererseits befand sich gerade alles in einer enormen Teuerung… mit Preisen, die selbst für die Einheimschen schockierend seien, wie ich es immer wieder hörte.

Diese Vier-Millionen-Stadt wirkt, wenn man nur als Tourist hinkommt, nett, pulsierend und geschäftig. Doch schon bei einem ersten Blick dahinter zeigen sich auch hier die für westliche Städte so typischen engen Strukturen, in die alles hineingepresst ist und über die alles kontrolliert wird – was sich freilich auf Gemüt und Verhalten der Menschen sehr direkt auswirkt.

Die Anordnung der öffentlichen Gebäude, die Abmessungen, die Ausrichtung aller wichtigen Punkte aufeinander… entsprechen auch hier den allgemeinen Freimaurer-Inszenierungen. Sie werden da auch ganz offen zur Schau gestellt, während sie in Europa viel mehr im Verborgenen gehalten werden. Melbourne war Mitte des 19.Jahrhunderts als Goldschürfplatz bekannt geworden, was viele europäische Abenteurer und Sonstige anzog – nachdem zuvor über mehrere Jahrzehnte hinweg der Kontinent mit Heeren von britischen Strafgefangenen besiedelt worden war.

Da Tasmanien von Anfang an als wichtiger Punkt dieser Reise aufschien, ging meine Entscheidung zunächst in diese Richtung. Das Thema mit den enormen Preisen war jedoch auch dort keineswegs anders. Und so habe ich versucht, die Kosten überall so gering wie möglich zu halten – auch anbetrachts der Tatsache, dass noch in keiner Weise feststand, wie lange meine Arbeiten dauern und wo überall ich sie ausführen würde.

Uraltes Land

Es war Sonntag, der zwölfte Jänner, als ich dann frühmorgens mit einem Stadtzug Richtung Hafen im Süden von Melbourne fuhr. Ein Känguru hüpfte entlang der Bahn und zeigte mir an, dass nun wieder grosse Sprünge zu machen seien. Gerade noch habe ich die Fähre erreicht, die „Spirit of Tasmania“. Der öffentliche Verkehr ist hier oft sehr umständlich und langsam, besonders an Sonntagen. Und die Fähre fährt zumeist früher ab, als zur offiziellen Abfahrtszeit. Das hatte die Fährengesellschaft mir am Vortag auch eindringlich mitgeteilt.

Die Fahrt dauerte neuneinhalb Stunden lang und sie war, verglichen mit einer Fährenfahrt in Canada, sehr ungemütlich. Es regnete bei der Abfahrt, der Ozean war rauh und erst später klärten sich Wetter und Meer. Doch das war nicht das Thema. Es war eher die Art, wie das Schiff eingerichtet war. Vor allem aber gab es Dauer-Entertainment, was bedeutete, dass nirgendwo ein ruhiger Platz zu finden war. Mehr als neun Stunden Dauer-Berieselung also und dazu Menschen, die – wie im Flugzeug schon – so tun, als wären sie alleine auf der Welt.

Bevor ich an Land ging, erschien es mir wichtig, vorbereitet zu sein… und so tauchte ich ein, lange noch, bevor seine Umrisse vor unseren Augen auftauchten. Schwere erfasste mich augenblicklich und ich sah eine schattenwerfende Schicht über dem Land schweben, welche das Licht der Sonne abschirmte. Die Menschen darunter erschienen ferngesteuert und gebeugt. Und jener Hütergeist, der dem Land einst seine Kraft verlieh, war schwer beschädigt.

Diese Schwere und die energetische Dunkelheit, die am gesamten Kontinent vorhanden sind, waren mir in Erinnerung geblieben. Vieles aber hatte sich für mich nach der Reise dann von einem bewussten Zugang für lange Zeit verabschiedet… was mitunter für meine weiteren Arbeiten sehr wichtig ist. Denn für sie ist eine Haltung des inneren Leer-Seins als Ausgangspunkt für das Nächste oft ganz zentral. Dinge, die vorüber sind, müssen losgelassen werden. Das Freisein von den unzähligen Schichten und Informationen einer solcher Arbeit ist unendlich wichtig, weil es den Geist offen und aufmerksam sein lässt – ähnlich wie bei einem Kind, das in allem stets neu seine Erfahrungen macht und dabei das Wunder eines von Abenteuern erfüllten Lebens erfährt.

Es ist dann oft erst viel später, dass sich die Dinge wieder in Erinnerung rufen und zwar dann, wenn es Zeit ist, die Puzzleteile zusammen zu legen zum grossen Bild oder wenn es eine Stufe höher weiter geht zu völlig neuen Erkenntnissen und Einblicken. Freilich ist es bei einem solchen Vorgehen so, dass mit jeder neuen Aufgabe ein weiterer und manchmal sehr grosser Sprung in das Unbekannte zu machen ist und dass es da kaum etwas gibt, an dem man sich anhalten oder festhalten könnte. Dennoch aber scheint immer wieder die Tatsache durch, dass alle wesentlichen Erfahrungen und alles gewonnene Wissen ein Teil des Nächsten sind und dass sie im Hintergrund meist als zarte und doch sehr konkrete Wegweiser erhalten bleiben… solche nämlich, die solide und sicher von einem Baustein zum nächsten führen, bis das Gesamtwerk vollendet ist und das Ganze “Form” angenommen hat.

Erst als ich nach Jahren nun an diesem Kapitel zu arbeiten begann, fand ich wieder die Aufzeichnungen von damals. Und ich war erstaunt über den Umfang einer Arbeit, die für so lange Zeit im “Kessel der Traumzeit” versunken geblieben war. Plötzlich machte so vieles von dem, was in den vergangenen Jahren zu tun war, viel mehr Sinn und ich verstand, dass ich damals jenes starke Fundament gelegt hatte, auf dem sich dann alles weitere aufgebaut hat. Ich hatte es nur ein wenig vergessen…

Oft haderte ich damals “mit dem Schicksal” und mit der Frage, warum ausgerechnet ich auf so lange Zeit im Land “unter Down Under” zu sein hatte – in der ersten Kolonie, die nach der Britischen Übernahme dieses Kontinents vor nunmehr 250 Jahren, gegründet worden war: in Tasmanien.

Als wir gegen Abend dort ankamen, war ich müde und mehr noch: erschöpft. Nachdem ich an Land ging, begann sich auf eigenartige Weise alles zu verdrehen. Was den touristischen Betrieb anbelangt, so ging man dort nach Prinzipien vor. Abweichungen sind nicht eingeplant und deshalb auch unmöglich. Nirgendwo schien es jemanden zu geben, der auch nur ein wenig entgegenkommend gewesen wäre. Es war, als würde man hier den Kopf in den Sand stecken und laufen, ständig nur laufen… für „das Geschäft“, das augenscheinlich das einzig Wichtige war. Das Bemühen von vielen, freundlich zu sein, stand oft in völligem Gegensatz zu ihrem Verhalten. Fremd in der Fremde war deshalb das Gefühl, das mich dann in die Nacht hinein begleitete.

Nachdem am nächsten Tag ein halbwegs annehmbarer Ausgangspunkt für mich geschaffen war, begann ich unverzüglich mit den Arbeiten, allen voran mit einer Reinigung des Landes. Das einzige Hotel in der relativ kleinen Stadt Ulverstone war eigentlich eine Spielhalle und seine Gäste waren Nebensache. Das hatte einen Vorteil, weil man in Ruhe gelassen wurde. Andererseits war dadurch ein ständiger Durchlauf vorhanden und das Verhalten der Gambler, ihre Sucht nach dem grossen Glück durch Spielen auf durch-programmierten Maschinen, hatte etwas Zersetzendes an sich. Insgesamt war es eine Stadt, in der man niemals bleiben würde, wenn man halbwegs bei Sinnen ist.

Van Diemens Land, das später nach dem holländischen Seefahrer Abel Tasman (1603-1659) Tasmanien genannt wurde, gilt zwar als der siebente Bundesstaat Australiens. Gegründet wurde er jedoch als erster im Jahr 1792, fast vierzig Jahre vor dem nächsten, nämlich Western Australia. Vier Jahre zuvor waren die ersten Schiffe mit Strafgefangenen aus dem britischen Königsreich in einer Bucht nahe der heutigen Stadt Sidney angekommen. Ab 1803 wurde Tasmanien als Strafkolonie eingerichtet mit über 70.000 Strafgefangenen, die innerhalb von fünfzig Jahren dort eintrafen. Etwa 165.000 britische Strafgefange gehören insgesamt zum historischen Erbe dieses Kontinents. Es ist ein „Projekt“, das bis heute sehr nachdenklich macht – wirft es doch auch ein Licht auf jene, die es inszeniert haben.

Tasmanien liegt herzförmig südlich des Kontinents und es scheint, als wäre alles zusammen einmal Teil einer grossen Landmasse gewesen. Später, auf einer Exkursion in einen Farn-Urwald, sollte ich diesbezüglich unter dem Titel „Gondwana“ auch ein paar Aufzeichnungen finden. Da zeigte sich eine Nähe zu Afrika und eine weitaus grössere Ausdehnung des heutigen Kontinents sowie eine Verbindung zur Antarktis, die einst eisfrei war. Der Menschentypus der Aborigines gleicht auch sehr stark dem von Afrika. Sie sind bereits die Nachkommen der Nachkommen der ursprünglichen Bewohner hier… und tragen die Erinnerung, die in ihren Aussagen bis mindestens 50.000 Jahre zurückgeht. Sie erzählen auch, dass es viele (auch ausserirdische) Kolonialisierungen hier gab, besonders ab 10.000 vor unserer Zeitrechnung.

Ich würde deshalb davon ausgehen, dass der Planet einst kleiner war und es dann zu einer Ausdehnung gekommen ist, bei der die Landmasse auseinander gerissen wurde. Alte Landkarten zeigen diesbezüglich sehr deutliche Spuren. Dazu gibt es noch das Phänomen der Polverschiebungen und des Polsprungs. In den Arbeiten der vergangenen Jahre hatte sich gezeigt, dass es Teil der Herrschaft von Atlantis war, die Achse zunächst zu kippen – vermutlich, indem man einen Polsprung verwendete, um ihn auf halbem Weg abzubrechen, was in der Folge dann zu schweren Störungen in vielen Bereichen geführt und den Mond in das Gravitationsfeld der Erde gezogen hat. Vor allem aber hat sich eine ausser-irdische Macht damit einen Zugang hierher verschafft, der seither nicht nur sich selbst, sondern auch uns grösste Probleme bereitet.

Möglicherweise ist dabei auch erst das entstanden, was man heute als Äquator bezeichnet – das Band, an dem die Verhältnisse kippen und in dem sich plötzlich alles „taub“ anfühlt. Ein Band, das spaltet und polarisiert. Und es stellt sich die Frage, warum sich gerade in diesem Band so viele Pyramiden und antike Stätten befinden.

Süd und Nord wurden zu Gegnern und Feinden, genauso wie Ost und West – wer auch immer sich von welchem Standpunkt aus im Osten oder im Westen, im Süden oder im Norden befindet. Dazu kommt dann noch die Schaffung eines künstlichen Null-Meridian in Grossbritannien… wodurch der Schwerpunkt von der natürlichen Lebenslinie des Planeten dorthin verschoben worden war, wo sich das Zentrum befindet für den letzten Abschnitt der Erd-Eroberung durch bestimmte und ausserirdische Kräfte.

Dort liegt der Ausgangpunkt und auch der Verbindungspunkt für die letzten Vorbereitungen, die zunehmend global geworden sind und der Kunststaat Israel ist sein „Satellit“. Dort sollte das „Reich Davids“ wieder-erstehen und dort sollte deshalb die Zukunft liegen: das Königreich für den transhumanen Menschen – einen, der sich seinen Eroberern endgültig angepasst und unterworfen hat. Das britische Commonwealth ist das erweiterte Machtzentrum und es hat mit seinem „Fünf-Augen-Syndikat“ (Grossbritannien, USA, Canada, Australien, Neuseeland) die Welt lange schon in geheimdienstliche Geiselhaft genommen.

Mit den Seefahrten des Abel Tasman und anderer, die z.B. in den Amerikas landeten, begann auf verschiedenen Ebenen ein neuer Abschnitt für die Menschheit und den Planeten. Im Mayakalender war es der Beginn des letzten Baktuns, eines Zeitraums von 400 Jahren, der das Ende vieler grosser Zyklen markierte. Es war also der Anfang vom Ende von Zeitaltern und diese Reisen waren der Auftakt zum Ergreifen einer grösseren Macht… so wie es lange schon geplant war. Geplant war dabei vor allem, die alten Kulturen zu zerstören, denn sie waren mächtig und es war wichtig sicherzustellen, dass sich niemand mehr „dem Plan“ entgegenstellen würde.

Die Wiege

Als Teil des australischen Kontinents war auch Tasmanien ein heiliges Land für seine Ureinwohner. Sie haben es tausende von Jahren gehütet und gepflegt… Bis dann vor nur wenigen Jahrhunderten eine Macht dort eindrang, die sowohl die alte Kultur als auch die Aborigines zerstörte und sie in Tasmanien völlig auslöschte.

Man missbrauchte dieses Land für riesige Strafkolonien unter grausamen Bedingungen. Das bekannteste dieser Sträflingslager liegt im Süd-Osten des Landes und wird „Port Arthur“ genannt. Eigentlich ist es eine riesige Wohnanlage, in der auch das Militär und freie Siedler untergebracht waren. Später wurde es immer mehr auch zu einer Irrenanstalt, wie man es nannte. Zusammen mit einer Kohlenmine wird es heute als „World Heritage Site“, als Welt-Erbe, geführt. In teuren Broschüren wird es als „faszinierend“ beworben, so als handle es sich um einen kostbaren Platz. Man kann dort für teures Geld an allen möglichen Aktivitäten teilnehmen, bis hin zu einer Geistertour nach Eintritt der Dunkelheit. Das scheint der Stolz dieses Landes zu sein, seine Kultur, auf die es aufbaut. Und es ist tatsächlich ein geisterhaftes Erbe.

Es zeigt sich hier ein Muster, das auf geheime Weise mittlerweile alle Gesellschaften der Erde durchzieht und das alles das hochjubelt und für wichtig und wahr erklärt, was eigentlich der Natur des Menschen völlig entgegenläuft und mehr noch: sie pervertiert. Das erklärt vielleicht, warum ständig alles so verdreht erscheint und warum die Mittelmässigkeit des Lebens so markant ist. Viele dieser Sträflinge hatten damals nichts mehr zu verlieren. Man hatte sie ihrer Wurzeln beraubt und jene, die einheimisch waren ebenso. Danach brachte man den neuen Bewohnern des Kontinents bei, dass sie stolz sein sollen auf ihr Sträflingserbe. Freilich waren viele von ihnen aufrechte Menschen, die Grosses geleistet haben. Davon aber ist zumeist auch gar nicht mehr die Rede. Betont wird dann oft nur das, was ablenkt vom Eigentlichen.

Das Ganze ist weltweit zum Flächenbrand geworden: Ausgehend von „der Krone“ und dem Finanzzentrum in London[1] – verbunden mit ihrem religiösen und politischen Zentrum in Vatikan und Washington DC – gibt es überall Kriege, Eroberung, Vernichtung, Entwurzelung, Flucht, Verwirrung, Propaganda. Und es ist eine Taktik, die tausende Jahre bereits von jenen verwendet wird, welche nur ein Ziel vor sich sehen: die totale Eroberung und damit verbunden auch die totale Vernichtung dessen, was als menschliches Leben gilt. In diesem Plan sind sie weit fortgeschritten. Sie sehen sich als die Herrscher hier und bis jetzt sind sie es auch.

[1] meine Reise hatte dort ihren Ausgangspunkt, wobei auch die Anreise mit dem Bus von Österreich nach London von Bedeutung war…

Man muss sich einmal vorstellen, was es bedeutet, wenn Gruppen von Menschen (wie Tiere) auf riesige Schiffe verladen und einfach weggebracht werden, auf Nimmer-Wiedersehen… zumeist zusammengepfercht und mit schlechter Versorgung: wie es mit Häftlingen eben geschieht. Sobald sich die Schiffe vom Land entfernt hatten, galt ein anderes Recht, nämlich Seerecht. Und oft galten dann gar keine Regeln mehr. Keiner von den Sträflingen wusste, wohin es ging. Und es war eine Fahrt, die gefühlt eine Ewigkeit dauerte. Allen war klar, dass damit ihr bisheriges Leben zu Ende ging, dass sie ihr Land, ihre Heimat, ihre Familie… nie wieder sehen würden. Was vor ihnen lag, war unbekannt, unheimlich vielleicht und ohne wirklich gute Aussichten.

Angekommen in einem völlig fremden Land, sah man sich mit Menschen konfrontiert, die man nicht kannte, die man nicht verstand und die sich ganz anderes verhielten, als man es vom eigenen Volk gewohnt war. Solche Umstände können ziemlich bedrohlich wirken, abgesehen von den vielen unbekannten Gefahren und der Unberechenbarkeit im Bezug auf das eigene Überleben. Schliesslich waren da noch die riesigen Straflager und Gefängnisse, die sich die erste Generation von Sträflingen selber errichten mussten… und deren Aufseher. Soziale Regeln gab es nur die, die eben in der Praxis angewendet wurden. Alles weitere musste man sich, oft unter Einsatz des Lebens, erkämpfen. Mitunter galt das Recht des Stärkeren. Das wurde vor allem den Ureinwohnern gegenüber praktiziert, denen man schnell zu erkennen gab, wer nun den Ton angeben wird… wie es eben jene fremdartige Macht zu tun pflegte, sie sich nach tausenden von Jahren der Eroberung schliesslich für ihr Endziel auf den britischen Inseln niederliess und von dort aus ihr Imperium ziemlich rasch ausbreitete.

Hier traf der Eroberungszug auf ein Volk, welches in seinen Traumzeitgeschichten noch Erinnerungen hatte an eine Zeit, in der man das auch so machte und dabei Welten zerstörte – bis hin zum Untergang ganzer Kontinente. Da diese Menschen in den Zeiten auch vorwärts und rückwärts schauen konnte, wussten sie, was auf sie zukommen würde.

Manche der Ankömmlinge versuchten mit ihnen zu kooperieren. Insgesamt gibt es jedoch nur wenige Berichte von einem konstruktiven Zusammenleben. Viele der Ureinwohner starben bereits beim ersten Versuch, das zu tun und der grösste Teil wurde assimiliert, sodass es sehr bald schon kaum mehr Vollblut-Ureinwohner gab. Die wenigen aber, die es schafften, sich ihr Stammesleben zu erhalten, lebten auf Gnaden ihrer neuen Herren. Ihr Land gehörte fortan jemand anderem.

Als ich gegen Ende meiner Zeit in Tasmanien versuchte, in einer Buchhandlung Literatur über die Aborigines des Landes zu finden, wurde ich zunächst fassunglos angeschaut. Dann versuchte man mich mit etwas anderem abzulenken. Und schliesslich warf man mir ein Buch über die Theke, das ich schnell bezahlte, um dann nach Hause zu gehen und es durchzublättern. Es war ein Buch, das erst im Vorjahr erschienen war und das die sogenannten „Cotton-Papers“ enthält: die Niederschriften und Erinnerungen der Quaker-Familie Cotton, die am Beginn des neunzehnten Jahrhunderts nach Tasmanien gekommen war, sich dort einen Landsitz erwarb und einige Aborgines dort beherbergten, was sie selber dann immer wieder bei anderen Einwanderern und den Behörden in Ungnade fallen liess.

Die Niederschriften fielen später einem Feuer zum Opfer und wurden unter grossem Aufwand von einem Nachfahren aus dem Gedächtnis noch einmal rekonstruiert und niedergeschrieben. Das war deshalb möglich, weil in der Familie von Kindheit an jeder die Geschichten der Vorfahren mit den Aborigines vorgelesen oder erzählt bekommen hat. Erst jetzt, im einundzwanzigsten Jahrhundert wurde schliesslich von einer Nachfahrin dieses kostbare Wissen unter dem Titel „Land of the Sleeping Gods“ [2] in Buchform herausgegeben. Diese Geschichten des Zusammenlebens von Menschen zweier grundverschiedener Völker geben zum einen Einblicke in die Denkweise und die hohe ethische Haltung der britischen Quäker, die man als wahre Gentlemen bezeichnen kann und die auch geniale Pioniere im Prozess der Anpassung an das neue Land waren. Und dann bietet es einen raren Einblick in Haltung und Lebensweise ihrer Gäste von der tasmanischen Ostküste, die durchwegs hochrangige Mitglieder ihres nunmehr zerstörten Stammes waren.

[2] The Cotton Papers / LAND OF THE SLEEPING GODS: Untold History and Mythology of the Tasmanian Aborigines by William Jackson Cotton, compiled by Jane Cooper (Cotton)

Das Buch gibt auch einen breiten Einblick in die mythologischen Geschichten dieser Menschen, die für sie zu dieser Zeit völlig präsent waren, die aber auch einen Zeitraum von mindestens 50.000 Jahren umfassten. Anders als die Einwanderer wussten sie um ihre lange Geschichte und was auch immer für sie wichtig war, konnten sie aus dem Gedächtnis abrufen… denn Traumzeit ist überall und dort sind alle unsere Geschichten gespeichert und mehr noch: lebendig und weiterführend. Ihre Gesellschaftsstruktur war hoch-organisiert und ihr Leben vielschichtig. Dass man durchaus auf dieselben Ergebnisse mit grundlegend verschiedenen Haltungen und unterschiedlichem Wissen kommen konnte, das zeigten die beeindruckenden Schilderungen jenes Arztes, der am Anwesen der Familie Cotton als deren guter Freund praktizierte und mit dem obersten Stammesheiler der dortigen Aborigines zusammenarbeitete.

Cradle Mountain als Teil der Wiege der Menschheit am Urkontinent MU (engl. cradle = Wiege)

Die Geschichten von den “Schlafenden Göttern” liessen ein Land zum Vorschein kommen, das in die Urzeit zurückführt, als es gerade aus dem Wasser auftauchte und dann zur Wiege der Menschheit wurde… bis sich später dann alles aufteilte und neue Kontinente entstanden. Die Götter (als Urkräfte) träumten neue Welten und die Menschen waren ihre Mitschöpfer. Immer wieder geschah es, dass diese Welten zerstört wurden und untergingen. Aber auch das war ein Teil des grossen Traumzeit-Planes, so wie jetzt gerade wieder, als diese Erorberer an Land gingen und die gegenwärtigen Traumzeitbewohner von der Oberfläche verschwinden liessen. Doch Traumzeit ist immer und überall und sie wird in das Bewusstsein der Menschen zurückkehren, wenn die Zeit dafür reif ist. Inzwischen singen die Wale ihren Gesang weiter und halten so der Menschheit die Traumzeit in Erinnerung.

Copyright: Magda Wimmer – Das Feuer hüten

 

 

 

 

error: Content is protected !!