Weihnachtskalender 2021-14

 

Westküste

Mit diesem kleinen Ort, der Karamea hiess, war ich “am Ende der Welt” angekommen – buchstäblich. Von dort aus ging es nicht mehr weiter. Ein schmaler Küstenweg führte von dort zwar nach Norden, zum oberen Ende der Insel. Der aber war nur für Hiker und interessierte Wanderer, ansonsten aber wenig von Bedeutung. Wobei das nichts heissen muss. Denn für manche schon mag das Unterwegssein auf diesem einsamen Weg lebensverändernd gewesen sein.

Einst als Goldgräberstädtchen bekannt geworden, ist von dem alten Glanz heute kaum mehr etwas übrig. Die Menschen wandern ab in weniger rauhe Gegenden und vor allem dorthin, wo es Arbeitsplätze gibt. Damals, als ich dort war, gab es weniger als dreihundert Einwohner – viele von ihnen waren Aussteiger und der Hippie-Szene zugehörig, ewig auf der Suche nach dem bleibenden Glück und deshalb oft vom Glanz ihrer Drogen beseelt, statt von ihrem Geist.

Alles in allem gibt es schöne Plätze dort, ansonsten aber wenig Unterhaltsames oder Ablenkendes. Wie intensiv die kommenden dreieinhalb Wochen sein würden, konnte ich deshalb auch kaum erahnen. Sie begannen mit einer Woche Reinigung, denn das kleine Haus des alten Mannes dürfte lange schon keine derartige “Behandlung” mehr erlebt haben. Parallel dazu war eine Platzreinigung zu machen, in der es darum ging, die Erde dieser grossen Insel zu stärken, damit die verlorene Feuerkraft zurückkehren konnte.

Herabkommende Göttersöhne… ein gestrandendes Boot… verlorene Feuerkraft… Langsam dämmerte es mir, dass das keine harmlosen Geschichten waren und auch keine realitätsferne Mythen. Und je länger ich mich damit beschäftigte, desto mehr gingen sie mir “unter die Haut”. Neuseeland befindet sich mitten im sogenannten “Feuerring”, der den Pazifik umgibt und seine Natur ist deshalb geprägt von Vulkanen, heissen Quellen und vor allem von Erdbeben. Warum aber das Feuer abhanden gekommen sein soll, davon zeigte sich zunächst keine Spur. Nach und nach erst konnten die Teile zusammengesetzt werden, während die äusseren Umstände zunehmend ungemütlich wurden.

Kaum war das Häuschen gereinigt, musste ich auch schon wieder ausziehen, denn der alte Mann kam unerwartet früher zurück. Plätze zum Ausweichen gab es kaum und so wählte ich das “Last Resort” [1], das sich irgendwie als “Endstation” anfühlte. Es waren kleine Hüttchen, die rund um ein Haupthaus aufgestellt waren und meines war weit weg von den sanitären Anlagen, was sich vor allem bei Regen und Sturm oft als grössere Herausforderung entpuppte. Aber es war eine Unterkunft mit einer Grundversorgung, die halbwegs funktionierte.

[1]  “resort” kann auch mit “Zuflucht” übersetzen… und das war dann genau das, wozu dieser Ferienort (resort) im Endeffekt für mich wurde, nämlich zur letzten Zuflucht

Während ich mit einem Fahrrad fast täglich kleinere Ausflüge machte, prägten sich die sichtbaren und unsichtbaren Geschichten immer mehr in meine Arbeiten ein. Gefallene Göttersöhne – das kam mir wohl mehr als bekannt vor. Dass diese Geschichte aber auch hier eine Bedeutung haben würde, lag bisher jenseits meiner Vorstellung. Und sie kamen mit einem Boot herab… Oft kommt bei solchen Arbeiten ein Punkt, an dem nicht mehr wir die Geschichte schreiben, sondern an dem die Geschichte uns erfasst und sich über uns zu schreiben beginnt.

Ich sah das Boot und war plötzlich erinnert an jene ferne Zeit, als wir “das Boot” verloren hatten. Seither war es verschwunden. Um ein solches Boot zu lenken, also zwischen den Dimensionen zu navigieren, braucht man bestimmte Fähigkeiten und eine ganz bestimmte Schwingung. Stiehlt man ein solches Gefährt, dann kann es leicht kentern und dann hat man ein Problem. Diese Göttersöhne hatten augenscheinlich ein solches Problem und die Auswirkungen sind bis heute zu sehen und zu spüren. Ich war erschüttert über den neuen Zugang, der sich damit eröffnete.

Eines Tages traf ich mit jemanden zusammen, der von sich sagte, dass seine genetische Linie zurückführe zu den Ur-Maori. Zivilberuflich war der Mann ein Architekt, ansonsten aber wirkte er wie ein vergeistigter Yogi oder Buddhist. Er war sanft und irgendwie “durchsichtig”. Bei der Begrüssung meinte er, er habe schon von mir gehört. Er möchte meine Geschichte hören und mir dann etwas erzählen.

Über vielem, was die heutigen und die damaligen Ureinwohner betrifft, liegt laut ihm ein grosses Geheimnis. Die gegenwärtigen Maori seien erst vor etwa tausend Jahren hier angekommen und sie seien Krieger. Zuvor gab es hier jedoch ein anderes Volk, so alt wie die Aborigine am Nachbarkontinent und ihnen ähnlich. Es sind auch nicht die Weissen gewesen, die dem Land die ursprüngliche Kraft nahmen. Sie gaben dem Ganzen dann nur noch den Rest.

Ansonsten aber habe es auch vorher schon tiefe Einbrüche gegeben. Da die gegenwärtigen Maori jedoch Krieger sind, war es nicht so einfach gewesen, sie zu vernichten. Mit diesen kurzen Informationen hat sich sowohl mein Horizont als auch mein Verständnis noch einmal um einiges erweitert. Das meinte auch er seinerseits, als ich mich verabschiedete. Besonders die Zusammenhänge gegenwärtiger Erscheinungen mit der uralten Erdgeschichte seien für ihn sehr inspirierend gewesen und er werde weiter darüber nachdenken.

Danach bewegte sich alles auf die totale Mondfinsternis zu, welche Mitte des Monats stattfinden und sich auch über Neuseeland erstrecken würde. Da werden sich die Schleusen öffnen, hiess es, denn es brauche viel Wasserkraft, um das Kanu zu wenden. Und tatsächlich wurde es von Tag zu Tag regnerischer.

Wenn sich aber dann das “Grosse Kreuz” am Himmel forme, müsse ich anderswo sein, nämlich dort, wo das Feuer eingeschlossen sei. Ich war hellwach mitten in der Nacht und versuchte, mir die Dinge zusammen zu fügen. Es zeigten sich die verschiedenen Schichten und Ereignisse zurück in weiter Vorzeit, als “die Götter im Himmel” rebellierten… und als sie fielen. Nicht unbedingt nur auf die Erde, sondern auch an andere Stellen im Kosmos.

Es gab mehrere solcher Geschehnisse zu verschiedenen Zeiten und schliesslich fielen solche Rebellen des Himmels dann auch auf die Erde. Sie kamen herab auf einem Boot und es kippte, weil sie mit dem Feuer (des Lebens) gespielt hatten. Doch einem lebendigen Wesen, wie der Mensch eines ist, kann man das Feuer nicht für immer stehlen. Da achten wohl die Hüter darauf, dass das Gleichgewicht wieder zurückkehrt.

Der Ort und das Resort waren wenig geeignet, um Zugfahrten und Unterkünfte zu buchen, weshalb ich dann in eine weiter entfernte Stadt fahren musste, um den Plan, der sich mir geoffenbart hat, auch praktisch umsetzen zu können. Aufregende Tage standen bevor und das Ende der gesamten Reise begann sich langsam abzuzeichnen.

Das Feuerproblem stand noch immer im Raum, als es auf die Finsternis zuging. Es schüttete und die planetaren Spannungen waren hoch. In einer Regenpause traf ich noch einmal diesen Architekten. Zum einen hatte ich ihm eine Botschaft zu bringen im Hinblick auf seine Ur-Maori-Abstammung und er kündigte seinerseits an, dass er mir ein Geschenk machen wolle. Nach einer kurzen Tee-Zeremonie überreichte er mir dann einen von den Maori sehr hoch-geschätzten “Greenstone” (eine Art Jade-Stein) mit der Anmerkung, es sei ein Ruder.

Das machte mich tief betroffen, denn ich hatte ihm nichts davon erzählt, dass vieles in meinen Arbeiten hier vom Kanu der Göttersöhne handelt, denn Arbeiten dieser Art müssen geschützt bleiben, solange sie unvollendet sind. Und ich hatte zuvor schon von einer anderen Ebene her vernommen, dass es wichtig wäre, das Ruder wieder in die Hand zu nehmen. Wortlos nahm ich den Stein und betrachtete ihn für ein Weile: Das Boot, welches verkehrt im Meer liegt: es braucht ein Ruder, um es wieder manövrierfähig zu machen. Das war eigentlich völlig logisch. Er lächelte und wir nahmen Abschied.

Tagtäglich besuchte ich in diesen Tagen einen grossen Baum, einen der berühmten Rimu-Trees. Ich lauschte an seinem Stamm und erfuhr dort noch vieles über dieses Kanu, das sich die Göttersöhne gestohlen haben. Bäume sind wie Antennen… und sie zeigen uns, wie wir unsere eigenen funktionsfähig machen können.

Stürme begannen zu toben, als wir gerade aus der Finsternis herauskamen und ich hatte die Botschaft vom Wasser, das zum Drehen des Bootes notwendig sei, bereits vergessen. Es war auch vorher schon nass und kalt genug. Doch was jetzt kam, übertraf alle meine Vorstellungen. Der Sturm tobte, zerrte und riss an den Hütten. Trümmer flogen auf die Dächer und bald schon war der Strom weg. Es wurde kalt und ungemütlich… während ich darüber nachdachte, wie denn ein solches Boot umzudrehen sei.

Immer mehr zeigten sich dann auch hier die Schritte, die zu machen waren, auf eine völlig logische Weise und was nach innen zu tun war, hatte zumeist auch eine Entsprechung nach aussen. Insgesamt war es wie das Wandeln in der Traumzeit drüben in Australien, bei gleichzeitiger äusserer Umsetzung… während zunächst einmal Weltuntergangsstimmung herrschte. Es war Ostern und die paar wenigen Bewohner dieses “Last Resorts” waren froh, am Morgen wenigstens eine Tasse warmen Kaffee und eine Scheibe Toastbrot zu bekommen. Als nach und nach bekannt wurde, dass ein grosser Teil der Westküste durch den Hurricane verwüstet worden war, begannen meine Pläne zu wackeln und es war alles andere als sicher, ob ich am Ostermontag überhaupt zurück nach Christchurch fahren konnte.

 

TranzAlpine und Aoraki

Erst kurz vor der geplanten Abfahrt begannen sich die Dinge zu wenden. Es gab wieder Strom und damit trockene Kleidung. Die dreizehn-stündige Reise konnte beginnen. Manche Strassenabschnitte und Wälder zeigten tiefe Spuren der Verwüstung und es regnete noch immer stark. Das war auch die Wettervorhersage für die nächsten Tage. Doch kaum waren wir mit dem TranzAlpine-Zug in Richtung der Bergkette unterwegs, öffnete sich die Wolkendecke und immer wieder begleiteten Regenbogen die Fahrt. Der elegante Zug fuhr langsam durch die Landschaft und über die Bergpässe. Und gemeinsam mit ein paar anderen stand ich zwischen den Waggons, um direkt mit allem in Verbindung zu sein.

Und ich hatte eine Aufgabe… Als wir uns einem bestimmten Ort näherten, nahm ich das Grünstein-Ruder in die Hand, setzte es symbolisch in das Schlüsselloch dieses einst für die Maori sehr wichtigen Kraftplatzes. Und damit war alles vorbereitet für das Drehen des Kanus und am Ende der Fahrt war das vollendet, was für die nächsten Tage vorzubereiten war. Die Nacht hatte die Stadt bereits eingehüllt, als wir Christchurch erreichten und die Spuren der Unwetter waren auch dort deutlich erkennbar.

Sehr früh am nächsten Morgen ging es bereits weiter, hinüber in den Süd-Westen zum kleinen Ort Twizel, den wir am Nachmittag erreichten. So blieb noch Zeit für einen längeren Spaziergang und damit zur Vorbereitung auf die nächsten beiden Tage in der Nähe des berühmten Berges. Twizel entstand als Ort erst in den späten Sechzigerjahren für den Bau eines Wasserkraftwerkes, den man nach Abschluss der Arbeiten wieder aufgeben wollte. Doch die bis zu sechstausend Einwohner kämpften damals um seinen Weiterbestand. Heute ist er mit etwas mehr als tausend Einwohnern bekannt für die Dreharbeiten zu einem der “Herr-der-Ringe”-Filme sowie zu einem Hobbit-Film. Er liegt am Eingang zum Aoraki Nationalpark und ist deshalb auch ein beliebter Zwischenstopp für Touristen.

Ich blickte hinein in den Taleinschnitt, der hin zum grossen Berg führt und rief mir noch einmal in Erinnerung, was davon berichtet wurde und was sich während der Arbeiten an der Westküste gezeigt hat. In den Mythen der Maori wird erzählt, dass einst die Söhne der Götter herunter gekommen waren, nachdem sich ihre Eltern, nämlich Himmel und Erde, getrennt hatten… Sie wollten sich hier umschauen auf Mutter Erde, aber sie strandeten und ihr Boot überschlug sie.

Als sie dann auf den Rücken ihres Kanus geklettert waren, riefen sie um Hilfe und warteten. Sie warteten und warteten, bis ihre Haare grau wurden und der Südwind sie schliesslich zu Eis erstarren liess. Während aus ihrem umgedrehten Kanu die Südinsel entstand, bildeten sie selber dann die grossen Gipfel ihrer Gletscherkette, mit dem ältesten Sohn von Raki(nui), dem Himmelsgott, als den höchsten Gipfel der Südalpen: dem Aoraki.

Liest man die Geschichten genauer, indem man die weitum verstreuten Teile zusammenträgt und dann zusammensetzt, dann zeigt sich eine noch viel tiefer gehende Geschichte, nämlich die Geschichte hinter der Geschichte. Und sie zeigt zugleich auch auf, wie diese “neueren alten Völker” genauso in die Geschichte von den “gefallenen Göttern” verstrickt sind, wie – bis auf wenige Ausnahmen – alle anderen auch. Es handelt sich dabei um Völker, die einst dort vereint waren, wo heute nur mehr ein kleines Insel-Grüppchen aus dem riesigen Meer ragt, nämlich die Osterinseln. Von dort aus begannen sie zu wandern, als ihr Kontinent zu sinken begonnen hat.

Lange folgten sie dem alten Pfad und eine neue Welt entstand unter Einsatz ihrer Kräfte… bis viele von ihnen schliesslich jenen in die Falle gingen, die “vom Himmel herunter gefallen” waren und das Zerstörungswerk ihrer Vorgänger fortsetzen. Dieses Abweichen von ihrem ursprünglichen Pfad führte in neuerliche Probleme und Kriege hinein und es schwächte die eigene Kraft. Die gefallenen Götter wurden also auch zu ihren Ahnen.

Das ist vermutlich einer der Hauptgründe dafür, warum diese Völker später so leicht erobert werden konnten. Die Maori reden davon auch, wenn sie zum Beispiel davor warnen, man möge diese Berggipfel nicht erklimmen, denn es hiesse für sie, dass man ihren Ahnen auf die Köpfe steigt. Es seien für sie “heilige Berge”. Menschen im Einflussbereich anderer Kulturen und Religionen sagen ähnliches. Und nur, wenn man sehr genau hinschaut, sieht man ein und denselben Hintergrund.

Das Grosse kosmische Kreuz (von vier grossen Planeten) hatte sich am Himmel gerade geformt, als wir früh am morgen mit einem kleinen Bus losfuhren. Die fünfundsechzig Kilometer lange Fahrt hinein zum berühmten Berg erstreckte sich vor allem entlang des Púkaki-Sees, einem der schönen Gletscherseen mit seiner türkis-milchigen Farbe. Bereits am unteren Ende des Sees gab der Berg einen ersten Blick auf seinen Gipfel frei und es sollte für diesen Tag der einzige bleiben.

Die riesigen Resorts, die dann am Fusse dieses Bergmassivs in Erscheinung traten, zeugten von ihren “Erbauern” und verwiesen auf diese Götter, die in ihrer Hybris überall ihre riesigen Bauten hinstellen, für die Geld keine Rolle spielt und über die man (in Ausstellungen etwa) den Menschen “Geschichten” erzählt, mit denen man sie ablenkt vom Wesentlichen, vor allem aber von sich selber. Sie sollten nicht erfahren, dass sie immer noch da sind und ungebremst ihren Plan durchziehen, der oft so nett und menschenfreundlich erscheinen mag, am Ende aber die totale Unterwerfung des Planeten und der Menschen bedeuten wird.

Erst, wenn das Boot wieder umgedreht sein wird, die Dinge also wieder zurecht gerückt sind, werden diese Göttersöhne die Erde verlassen. Sie waren über einen langen Zeitraum hier mit uns eingesperrt. Aber jetzt müssen sie hinaus-eskortiert werden, bevor sie noch schlimmere Dinge anstellen. Das ist der Schritt, den die Menschheit machen muss, wenn sie sich befreien will von den Auswirkungen jenes grossen Falles, der vor Jahrtausenden geschah. Es war ein unvorstellbarer Bruch mit der Schöpfung und eine Abkehr vom lebendigen Leben… und deren Folgen erreichen gerade ein fast unerträgliches Ausmass. An diesem besonderen Platz mit einer tiefen Verbindung hinunter zum Südpol war ich nun soeben dabei, diesen Schritt auf einer bestimmten Ebene einzuleiten.

Zu Fuss unterwegs hinein in das Hooker Valley trug ich einen kostbaren Kristall mit mir. Ich hatte ihn einst aus Hawaii mitgebracht [2] und es war einer, der eine Rückverbindung herstellt zu jener Zeit, als die Erde noch frei war von diesen Göttersöhnen. Irgendwo weiter oben würde ich ihn als Anker-Punkt legen, um dann die weiteren Schritte machen zu können. Anfangs war es ruhig und der Weg hinauf war gefüllt mit Touristen aus dem asiatischen Bereich, die trotz Kälte und Nieselregen in Sandalen und leichter Kleidung unterwegs waren – ähnlich, wie sie es auch bei uns in Europa in den Bergen machen.

[2] er wird dort als “Lemurian Crystal” bezeichnet

In dem Augenblick aber, als der kleine Kristall in den Hooker-Gletschersee am Weg-Ende hineingesetzt war, wendete sich das Blatt. Ein Sturm begann zu toben und die Sicht war plötzlich weg. Es wirbelte und die Winde schienen aus allen Richtungen zu kommen. Dabei entstand ein wilder Sog nach oben. Der Höllensturm nahm mich mit und nur die Schwerkraft führte mich dabei nach unten, hin zu jener kleinen Hütte ohne Fenster, die mir beim Aufstieg kaum aufgefallen war. Durchnässt sass ich auf dem kleinen Holzbänkchen und der Sturm blies von allen Seiten durch. Aber es war trocken.

Über lange Zeit war “die Hölle los”, während ich den Göttern ins Angesicht blickte und ich sah, dass sie wie Furien ihren Himmel verteidigten, den sie sich auf Erden hier eingerichtet hatten. Im Inneren des Berges hatten sie das Feuer versteckt, damit die Menschen es nicht entdecken konnten und das Eis war eine undurchdringbare Hülle. Einst hatten sie die halbe Erde unter Eis gesetzt.

Zur Ablenkung schreien sie bis heute in die Welt hinaus, wie schlimm es sei, dass das Eis der Gletscher schmilzt… denn sie haben Angst davor, dass die Berge – und vor allem auch der Südpol – ihr Geheimnis offenbaren würden. Als es Zeit wurde, ins Tal hinunter zu gehen, damit ich meinen Bus hinaus nach Twizel erreichen konnte, sah ich unten am Talausgang einen riesigen Regenbogen und ich wusste, dass es sicher war, loszugehen, auch wenn es noch aus vollen Fässern schüttete.

Der anstrengende Tag ging nahtlos in eine ebenso anstrengende Nacht über, denn wir hatten zweimal Feueralarm… nachdem ich mit der “Feuerhalle” im Berg in Kontakt getreten war, um alles für den nächsten Tag vorzubereiten. Die Erde hat nun Jahrtausende hinter sich, in der das Feuer des Lebens den Menschen und allen anderen Lebewesen immer mehr entzogen worden war, bis hinein in eine eiskalte technische Welt, in der auch die “Wirklichkeit” nur mehr virtuell ist, also eine ständige Täuschung.

Aber wir haben jetzt die Möglichkeit, uns das Feuer zurück zu holen. Dann jedoch werden wir es hüten und es keinem mehr übergeben, der vorgibt, er habe die Macht über alles. Das wird der nächste wichtige Schritt für die Menschheit – hin zu einer neuen Haltung, die uns auf eine völlig andere Ebene bringen wird. Denn das hat zu tun mit dem Öffnen unserer Herzen und es bedeutet die Rückkehr zu unserer wahren Identität… während diejenigen, die uns bisher beherrscht haben, entweder die Abspaltung von ihrem Ursprung aufgeben oder nicht mehr sein werden, indem sie aufgelöst werden – zurück in der Urquelle des Lebens hinein.

Ein starkes Feuer braucht eine starke Wasserkraft, damit es nichts verbrennt. Verbunden mit dem Wal, der in einer Bucht in Christchurch eingeklemmt war, als man einen Polsprung für die Übernahme des Planeten missbrauchte… öffnete sich nun der Zugang zu einer Kraft, die bisher verschlossen war. In der Geschichte, welche diese “neuen Götter” auf Erden von Cassiopeia, einer der grossen Urmütter, erzählten, war der Wal ein Monster, dem ihr Kind geopfert werden sollte.

Ein Retter (Perseus) kam und erschlug das Monster. Es musste weg, denn es trug die Erinnerung der alten Erdgeschichte in sich und fortan war es den Menschen nicht mehr erlaubt, sich dieses Wissens zu bedienen, also den verbotenen Apfel zu essen. Das würde die Herrschaft der neuen Götter gefährden. Technik würde in Zukunft der Apfel-Ersatz sein. Ein angebissener Apfel (apple) wurde deshalb zum Logo der teuersten Computermarke gemacht. In der Folge kamen viele weitere Helden wie Perseus, die unter der Regie der Götter stets die mütterlich-weibliche Kraft auszulöschen versuchten… und dafür das Königsreich überreicht bekamen.

Wir brauchen heute aber die Wale, das uralte Wissen, um uns von den falschen Göttern zu befreien und sie von der Erde zu verweisen. Nur mit ihnen können wir das umgedrehte Boot drehen und so das Gleichgewicht herstellen, das diese Götter nicht vertragen können. Wenn dann der Wind unseres Geistes wehen wird, sind sie schneller von ihrem gestohlenen Planeten entfernt, als sie es sich vorstellen können. Und dafür waren die nächsten Schritte hier zu machen.

Nach einer Anfahrt im dichten Nebel zeigte sich der Berg am nächsten Tag noch einmal offen. Später dann hatte er eine Wolkenhaube, die einem Ufo glich und anzeigte, dass bestimmte Kräfte aktiv geworden waren, andere jedoch wieder die Regie übernommen hatten. Im Jahr 1991 verlor der Berg durch eine Eis-Stein-Lawine ihren Gipfel und damit nach Maori-Angaben etwa dreissig bis vierzig Meter.

Millionen Kubikmeter dieser Masse donnerten damals mit einer Geschwindigkeit von etwa zwei- bis dreihundert km/h zu Tale und verursachten dabei ein Erdbeben der Stärke 3,9 auf der Richterskale, das draussen in Twizel gemessen wurde. Es war, als würde der Schlußstein fehlen, ähnlich wie an der Pyramide von Gizeh. Die Ufo-Wolkenhaube wies darauf hin, dass es hier wohl auch andere Geschehnisse gibt, als jene, die für uns sichtbar sind.

Der Schlüssel befand sich im Drehpunkt, weiter oben am Arthurs Pass an der TranzAlpine-Zugstrecke – etwa in der Mitte des verkehrt liegenden Kanus, der Südinsel von Neuseeland. Ich hatte das Grünstein-Paddel in der Hand, als unsere Schlauchboote hinausglitten auf den Eis-See des Tasman-Gletschers an der Rückseite des Berges. Ein Eisblock in der Form einer Walflosse trieb an uns vorbei.

Der Schlüssel im Schloss drehte sich und gleichzeitig auch das Boot, während hier riesige Eisbrocken donnernd in den See hereinbrachen. Strahlend blaue Gletscherformationen zogen an uns vorüber und es begann zu regnen. Ich tauchte das Steinpaddel in das eisige Wasser und wartete, bis das Boot gedreht war. Dann begann ich zu rudern… um den Göttersöhnen zu signalisieren, dass es Zeit war. Regenschleier und mehrere Regenbögen zeigten an, dass der Berg nun seine Kraft für das Finale freigeben wird.

Am nächsten Morgen nahm ich Abschied aus einem kalten und verregneten Twizel. Es war ein Feiertag [4] zu Ehren der modernen Helden, die im Krieg der Götter ihr Leben gegeben haben und er wurde überall gross gefeiert. Die Busfahrt war angenehm ruhig und wie ein langsames Hinausgleiten aus einer grossen Arbeit, die hier ihren Höhepunkt und ihren vorläufigen Abschluss hatte.

[4] genannt Anzac-Day

Der Abschied vom Götterreich, welches sich mittlerweile über den gesamten Planeten verbreitet hat, war eingeleitet. Doch es würde keine einfache Angelegenheit werden, weil sie sich an ihre Errungenschaften klammern werden. Sie haben sonst nichts, was für sie von Wert ist. Deshalb werden sie uns Stürme schicken und uns die Berghänge hinunter jagen. Wir müssen dabei der Schwerkraft folgen, hin zur Erde, die alle Weisheit und alles alte Wissen in sich trägt. Und unser Körper ist dabei der Mikro-Kosmos dieses Urwissens.

Wir haben einst unser “Boot des Wissens” verloren in den Fluten, die man über die Erde gebracht hat. Es wurde von jenen gestohlen, die zu seiner Navigation weder die Fähigkeit noch die Erlaubnis hatten. Deshalb sind sie abgestürtzt und wir fanden uns dann in der Tatsache wieder, dass wir nun mit ihnen in einer sehr tief schwingenden Welt eingesperrt waren – eine, in der das Wissen um höhere Ebenen für lange Zeit (fast) verloren war.

Die “Götter” konnten bis heute allerdings immer wieder auf die Hilfe von jenen zählen, die ebenfalls auf ihre Ebene gefallen waren und die sich in unserem Sonnen- und galaktischen System herumtreiben. Ganze Heere solcher Wesen haben sich auf diese Weise zusammen getan und sich eine eigene Wirklichkeit erschaffen, zum Leidwesen zahlreicher Sternenvölker und –nationen.

Doch es gibt und gab immer auch jene Wesen, die sich ihre Kraft bewahrt haben und sich hilfreich um die überfallenen Bereiche und deren Bewohner gekümmert haben. Die Erde wurde von ihnen unter Quarantäne gestellt, damit sie geschützt ist vor weiteren Übergriffen und zur Verhinderung der Flucht jener, die hier ihr Karma zu beenden haben. Momentan glauben sie immer noch, dass sie mit ihrem Plan durchkommen werden und sie können dabei weder wahrnehmen, dass ihr eisernes und eisiges Matrixgitter überall langsam aufgemacht wird… noch, dass das ursprüngliche Wissen und damit das Licht in den Menschen zurückkehren wird. Aber sie spüren etwas und das kann sie mitunter zu vielen Kurzschlusshandlungen “zwingen”.

Langsam werden sie realisieren müssen, dass auch sie die Wahl haben, wie sie weiter machen wollen. Und je nachdem, wie sie wählen, so werden für sie auch die Konsequenzen ausschauen – ähnlich wie bei uns auch. Unser grosser Vorteil dabei ist allerdings, dass wir einen Funken des Lebensfeuers immer noch in uns tragen. Wir müssen es uns allerdings wieder bewusst machen. Und sobald wir das tun, beginnt das Feuer auch schon zu brennen. Die Hüter sind da und ihre Aufgabe über die Jahrtausende hinweg war es, das Feuer im Inneren zu hüten, auch wenn es aussen völlig finster war. Sie haben den Eingang in die Traumzeit offen gehalten… und die Geschichten erzählt, die von dort kommen, selbst dann noch, als sie nicht mehr verstanden wurden.

Copyright: Magda Wimmer – Das Feuer hüten

 

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